Sonntag, 7. November 2010, 18 Uhr, auf Radio CORAX
Radio Experienza: Musik der Ostafrikanischen Inseln
Die Inselgruppe der Komoren sind das kunterbunte Erbe malaiischer Piraten, arabischer Seefahrer und schwarzafrikanischer Plantagenarbeiter. Mauritius war noch unbewohnt und wurde nur gelegentlich von arabischen Seefahrern besucht, als Anfang des 16. Jahrhunderts die Portugiesen anlandeten. La Réunion ist durch europäische, afrikanische und indische Einflüsse geprägt. Eine Reise durch die vielfältige Musiklandschaft der Ostafrikanischen Inseln mit Gerhard Müller, Musikredakteur bei Multicult.fm.
Eine Reise durch die baulärmenden Straßen von Tirana, mitten hinein in die akustischen Hiebe einer Hochzeitsmusik, mit der schleichenden Eisenbahn von Elbasan in Enver Hoxhas Sommerdomizil Pogradec, vorbei am Zirpen der Zikaden über die Grenze ins malerische Ohrid in Mazedonien, und zurück ins lautstarke Markttreiben des albanischenKorçë, hinauf ins stille, kristallblaue Përmet, ins folkloristische Gjirokastra und bis nach Saranda, das vor Beton strotzt und vom Meer getränkt daliegt.
Comments Off on TINYA #53: Muzik Shqip – TINYA in Albanien
Es wird nicht gezupft und nicht geschüttelt. Man bläst nicht hinein und schlägt auch nicht drauf. Ein Musikinstrument soll in der aktuellen Ausgabe von TINYA im Mittelpunkt stehen, das nur eins ausgesprochen gut kann: zuhören. Dass auch das Mikrophon ein Musikinstrument ist, das beweist z.B. der britische “sound recordist” Chris Watson. Seit über 25 Jahren durchreist er mit dem Mikrophon die Welt, auf der Suche nach hörbaren Panoramas von Landschaften. Einige der Klangbilder werden bei TINYA zu hören sein.
Das Konzept-Album “Solo Session” des Berliner Musikers und Musikethnologen Tobias Thiele wird im zweiten Teil der Sendung vorgestellt. Thiele fusioniert Feldaufnahmen, die er während seines Studienaufenthaltes in Surakarta auf Java gemacht hat, mit Samples, Saxophon-Riffs und Gesang. Durch diese Technik aus Komposition und Collage erzählt die Musik auf feinfühlige und zugleich persönliche Weise von den vielfältigen Begegnungen mit Indonesien.
Literaturhinweis:
Dwyer, Terence. 1972. Composing with tape recorders. Musique concrète for beginners, London: Oxford University Press.
Comments Off on TINYA Podcast # 52: Recording Sounds – Das Mikrophon als Musikinstrument
Rockmusik aus der DDR – nach 1989 fallen viele abschätzige und gar spöttische Blicke auf die “Ost-Diskos” und die Puhdys- und Karat-Konzerte. In undifferenzierter Weise wurde die Musik zum Teil als staatskonform und wenig originell abgewertet. Der amerikanische Musikethnologe Edward Larkey ist es, der in einem seiner Texte versucht hat, eine Lanze für den Ost-Rock zu brechen. Nicht weil der Wissenschaftler die Musik so schön findet, sondern, weil er der Meinung ist, dass es sich lohnt „eine ausgewogene Haltung gegenüber den Leistungen der DDR-Rock- und Popmusik im Gesamtmaßstab“ anzuregen.
In seinem Aufsatz über „(Ost-) Deutsche populäre Musik“ formuliert er Überlegungen zu nationalen Identitäten, der Rezeption von Rockmusik aus der DDR in Österreich und der BRD, und dem Phänomen „Ostalgie“. Dieses TINYA Magazin reflektiert über den Umgang mit DDR-Rockmusik nach 1989. Dabei steht nicht die “alternative” Musikszene im Blickpunkt, die in repressiven Staaten immer gern gesucht wird, sondern das, was man heute eher Mainstream nennen würde: die Puhdys.
Die Puhdys sind auch nach 1989 weiterhin erfolgreich. Es wird sich zeigen, dass das, was salopp als “Ostalgie” bezeichnet wird, nicht der Wunsch nach der Rückkehr der DDR-Verhältnisse ist, sondern die Suche nach einer neuen Identität. Der Weg zu einer sozialen und kulturellen Verortung, die sowohl die gelebte Vergangenheit als auch die neue gesellschaftliche Umgebung berücksichtigt. Für viele spielt in diesem Konstruktionsprozess die Berücksichtigung lokaler Unterschiede eine immanente Rolle.
Literatur:
Larkey, Edward. 2002. “(Ost-) Deutsche populäre Musik. Einige Überlegungen zur ethnischen und nationalen Identität”, in: Inspecting Germany. Internationale Deutschland-Ethnographie der Gegenwart, hrsg. von Thomas Hauschild und Bernd Jürgen Warneken, Münster, Lit Verlag, pp. 523-538.
am Mittwoch, 16. Juni, 20 Uhr, Institut für Musik, Kleine Marktstraße 7, 06108 Halle/Saale
Kurzfilm: “La Huaconada de Mito” (Peru, 2004, 20 min)
Im Dorf Mito in den Zentralanden Perus, wird jedes Jahr Anfang Januar die Huaconada gefeiert. Die Huacónes sind die “Herren der Nacht”. Sie verschlingen die Pachamama, die Mutter Erde, und nur im Austausch mit einem Kind, schützen sie die Ernte vor Dürre. Die Huacónes tanzen zur Musik der Orquesta Típica in weiten Leinengewändern. Sie tragen individualisierte Holzmasken und lassen ihre Peitschen knallen, wenn ein junger Huacón in die Reihe der Tänzer aufgenommen wird.
“Der Weg nach Molulo schlängelt im Zick-Zack nach oben, an den Hängen der Berge entlang; er hat viele Kurven … Naja, und die Musik wird mehr oder weniger auf die gleiche Art und Weise gespielt. Sie kommt und geht. Der Klang steigt und fällt ab. So wie man einen Hügel hinaufsteigt und wieder hinabwandert.”
Molulu erreicht man nur zu Fuß oder mit dem Maultier. Der Ort liegt in der Provinz Jujuy, im Norden Argentiniens. Zwei Jahreszeiten bestimmen den Rhythmus der Menschen: Die Zeit der Trockenheit und die Regenzeit – Sommer und Winter. Begleitet werden diese Perioden des Jahres von Zeremonien und Festen, und von Gesang und Musikinstrumenten, die den Naturkräften zugeordnet werden.
Der Film ist eine Produktion von Blas Moreau, in Zusammenarbeit mit Walter Abalos und dem Soziologen Radek Sánchez Patzy. Er entstand innerhalb des Unesco-Programms “La Voz de los Sin Voz” und ist Teil des Projektes “Música y Fiestas en los Valles Orientales de Altura de Jujuy”, das von “Música Esperanza – Centro Andino para la Educación y la Cultura” in Tilcara durchgeführt wurde.
Comments Off on Ciné-Ethnography: Südamerikanischer Filmabend
Dokumentarfilm über kolumbianischen HipHop
von Vanessa Gocksch und Walter Hernández
Die HipHop-Szene Kolumbiens wurde in den afrokolumbianischen Neighbourhoods geprägt, hat starke politische Implikationen und speist sich auch aus den Volkstraditionen improvisierter Wechselgesänge. Die Filmemacherin Vanessa Gocksch und der Musiker und DJ Walter Hernández gehen diesen Spuren nach und portraitieren die soziale Realität, kulturelle Identität und politische Artikulation von Jugendlichen, die ihr Gefühl von Ausgeschlossenheit durch Musik in eine vitale Bewegung transformieren.
Die neue Filmreihe “Ciné-Ethnographie” am Institut für Musik der Martin-Luther-Universität soll die Neugier nach anderen Kulturen und ihrer Musik im Zeitalter der Globalisierung wecken. Sie ist als ein Brückenschlag zwischen den Fachbereichen Ethnologie, Musikethnologie und Medienwissenschaft aber auch zum freien Radio CORAX gedacht. Präsentiert werden ausschließlich preisgekrönte ethnographische Filme, die jeweils in einem zwei- bis dreiwöchigen Abstand vorgestellt und diskutiert werden.
Die Filmreihe wird am 2. Juni 2010 um 20.00 Uhr im Raum 471 des Instituts für Musik, Kleine Marktstr. 7, 06108 Halle eröffnet. Zu einem kleinen Umtrunk wird eine Rarität des ethnographischen Stummfilms aus Russland: „Die Frauen von Rjasan“ (1923) präsentiert. Der Hauptfilm “Vjesh/Canto” von Rossella Schillacci wurde 2008 auf dem Filmfestival von Cagliari als „Bester Film des Mittelmeerraums“ ausgezeichnet. Er entführt uns auf einen Karneval nach Süditalien und fragt mit ironischen Untertönen nach der Ursprung und Zukunft von Traditionen. (EP)
Die Sängerin Urna aus der Inneren Mongolei (China) begibt sich auf die Suche nach dem „Lied von den zwei Pferden“ in die Mongolei. Ihre Großmutter hatte während der Kulturrevolution nur den Hals einer Pferdekopfgeige retten können, auf dem der Beginn dieses Liedes in altmongolischer Schrift eingeritzt war. Vor ihrem Tod nahm sie Urna das Versprechen ab, die Pferdekopfgeige wieder zum Klingen zu bringen.
Im Film wird der Alltag in der Steppe, in einer kleinen Provinzstadt und in Ulan Bator vorgestellt. Dabei scheut sich B. Davaa nicht, dezent auf Probleme aufmerksam zu machen. Darüber hinaus werden einzelne Ereignisse der jüngeren Geschichte der Mongolen in der Äußeren und der Inneren Mongolei (China) eingestreut.
Wie schon in einem ihrer vorherigen Filme (Die Geschichte vom weinenden Kamel 2003) spielt die Musik eine tragende Rolle. Angefangen vom Pferdekopfgeigenensemble in Ulan Bator, über Hochzeitssänger, Musik im schamanistischen Kontext, bis hin zum gemeinsamen Singen als Zeitvertreib auf den langen Strecken durch die Steppe ist alles zu hören.
Insgesamt ein anmutiger Film mit ästhetischen Bildern und bestimmt der sportlichsten Art, eine SMS mitten in der Steppe zu verschicken.
Die Radiosendung möchte auf der Grundlage der Arbeit “Mongolian Music, Dance and Oral Narrative: Performing diverse identities” (2001) von Carole Pegg einen Einblick in unterschiedliche mongolische Musikgenres bieten, wobei die historischen Entwicklungen und regionalen Unterschiede Erwähnung finden. Ergänzt werden die Ausführungen durch entsprechende Audio-Beispiele zum Buch, durch live gesungene Stücke von Otgonbayar Chuluunbaatar, einer mongolischen Sängerin und Musikethnologin, die sich der Bewahrung der westmongolischen Zakhchin-Musik widmet, sowie durch eigene Feldforschungsaufnahmen und Interviews mit MongolInnen, die in Deutschland leben.
Plattenbau und Jurtensiedlungen in Ulan Bator Pferdekopfgeigen-Quartett
Die meisten Radiosender in Mogadischu spielen keine Musik mehr. Die Stationen hätten die Ausstrahlung von Musik in ihren Programmen eingestellt, berichteten somalische Journalisten am 13. April 2010 dem Evangelischen Pressedienst in Nairobi. Damit folgen die Programmmacher einem Ultimatum der Islampartei Hisbul Islam, die Teile der Stadt kontrolliert. Unter dem Dach der Hisbul Islam versammeln sich einige der radikalsten Politiker des seit achtzehn Jahren regierungslosen Landes mit Verbindungen in alle bedeutenden Clans.
Den Stationen wurde eine Frist von zehn Tagen gesetzt, um Musikstücke und Jingles aus den Programmen zu verbannen. Erst vor wenigen Tagen hatte Al Schabaab die Ausstrahlung der britischen Station BBC und des US-Auslandssenders «Voice of America» untersagt.
«Wir benutzen jetzt andere Geräusche wie Gewehrfeuer, Fahrzeuggeräusche oder Vögelgezwitscher um unsere Sendungen anzukündigen», erklärte der Programmdirektor von Tusmo Radio, Abdullahi Yasin Jama, in der BBC. Nur «Radio Mogadischu», der Sender der somalischen Übergangsregierung, und ein von Kenia aus verbreiteter somalischer Auslandssender spielten am 13. April noch Musik in ihren Programmen.