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17 Feb, 2020

Die Tonsammlung des Pitt Rivers Museum und die Rückgabe immaterieller Kulturgüter

Posted by: helen In: Radio

Virtuelle Archive für Feldaufnahmen
Teil 1: Die Tonsammlung des Pitt Rivers Museum und die Rückgabe immaterieller Kulturgüter

28. März 2020, 23:05 Uhr, BR Klassik, 53:30 min

Phonographenwalzen von Northcote W. Thomas in der British Library, Foto: [Re:]Entanglements, https://re-entanglements.net/onyeka-igwe/.

Stille – plötzlich ein starkes rhythmisches Rauschen – Gesang setzt ein, klingt weit entfernt – die Stimme eines Mannes im Falsett – kein Text, klagendes Johlen – die Töne versinken im Rauschen. Der britische Ethnologe Northcote W. Thomas zeichnete diese Musik im Januar des Jahres 1911 im südlichen Nigeria mit einem Phonografen auf. Hören kann man die Aufnahme seit einigen Jahren auf Soundcloud. Fast 100 Jahre schlummerten diese Klangdokumente im Archiv, bevor ein Digitalisierungsprojekt des Pitt Rivers Museum in Oxford nicht nur für das Überspielen der Wachswalzenzylinder auf neue Tonträger sorgte, sondern auch einen Teil der Aufnahmen online für die Öffentlichkeit bereit stellte.

Einige Museen nutzen das Internet inzwischen aktiv, um historische Tonaufnahmen aus ihren Archiven zugänglich zu machen, die sonst wahrscheinlich nur sehr wenige Menschen jemals zu Gehör bekommen würden. Den Musikethnologen Noel Lobley beschäftigte während seiner Arbeit mit der Tonsammlung des Pitt Rivers Museums die Frage, wie Klangdokumente in die Ausstellungen von Museen integriert und so erlebbar gemacht werden können. Welche Möglichkeiten bieten sich im musealen Kontext für eine Rückkopplung zu den Ursprungsländern und Urhebern der Aufnahme?

Darüber hinaus gibt es erste Ansätze für die Rückgabe von Ton- und Bildmaterial, sprich immateriellen Kulturgütern, aus der Kolonialzeit. Wie diese Rückgabe stattfinden kann, ergründet das [Re:]Entanglements Projekt unter Leitung des britischen Ethnologen Paul Basu in Zusammenarbeit u.a. mit der Universität von Nigeria. Bisher wurde die Diskussion um die Rückgabe von Kulturgütern aus der Kolonialzeit überwiegend in Bezug auf materielle Objekte geführt. Doch wie gehen westliche Institutionen heute mit Ton- und Fotomaterial um, das in ehemaligen Kolonien entstanden ist und dann in den Archivschränken in Europa und Nordamerika verschwand? Welche Relevanz haben diese Dokumente für die Menschen deren Vorfahren auf dem Material zu sehen und zu hören sind?

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